Me and my Kiez – Unterwegs mit Akeem “König” Vargas, pt II

Im ersten Teil von „Me and my Kiez“ erzählte uns Akeem Vargas über seinen Wechsel zu Alba Berlin, seine Erwartungen und Hoffnungen, seine Vergangenheit als Fussballer und vieles mehr. Wie es weiter geht, lest ihr hier im zweiten Teil …DSCI0080Du hattest schon deine Verteidigung angesprochen. Wo würdest du generell deine Stärken und Schwächen sehen?
Schwächen habe ich keine. Man sollte sich Schwächen bewusst sein, sie aber nicht aussprechen. Ich glaube, es gibt noch Entwicklungspotenzial, was mein Ballhandling angeht, da könnte ich noch stärker werden. Ich glaube, beim Pick’n’roll könnte ich auch noch einen Schritt nach vorne machen. Zu meinen Stärken zähle ich meinen Dreipunktewurf und meine 1-on-1-Vertedigung. Weiterhin tue ich auch Sachen, um zu gewinnen, egal, wie „dreckig“ das sein muss. Dafür bin ich mir nicht zu schade. Was manche Spieler haben und andere nicht, ist eine gewisse Grundaggressivität und eine Bereitschaft, zu provozieren. Ich bin ein großer Freund von trash talk und auch ein großer Fan von Michael Jordan und Reggie Miller, die das regelrecht zelebriert haben. Ich finde es schade, daß man heutzutage nicht mehr so viel reden darf auf dem Feld. Trash talk gehört für mich irgendwie zum Spiel dazu.

Was „erzählst“ du dann deinem Gegenspieler so auf dem Feld?
Alles, was dazu nötig ist, ihn aus dem Konzept zu bringen. Aber es gibt natürlich ganz klare Grenzen; man beleidigt niemals die Familie oder Rasse, das ist unter der Gürtellinie, aber ich würde sagen, so Standardsätze wie „Kannst du den jumper, kannst du ihn nicht … du hast schon zwei verschossen … weiß ich nicht, ob ich den dritten nehmen würde …“ kann man schon mal bringen, um permanent im Kopf vom Gegenspieler zu sein.

Ist das völlig unabhängig davon, gegen wen du spielst? Würdest du das auch mit z.B. Diamantidis machen?
Auf jeden Fall, das ist Teil meines Spiels, das pushed mich. Niemand lässt sich so etwas gerne sagen, auch ein Diamantidis nicht, obwohl es von dem mehr abprallt, als von anderen Spielern, aber wenn es David Logan gegen ihn macht, Akeem Vargas gegen ihn macht, Bar Timor gegen ihn macht, irgendwann kommt auch ein Diamantidis an einen Punkt, wo es ihn nervt. Wenn man das zu dritt, viert, fünft – wie viele wir dafür auch immer brauchen – schafft, in seinem Kopf zu sein, haben wir unser Ziel erreicht. Dann fängt er an nachzudenken, zu werfen oder nicht zu werfen. Damit kann man schon Spieler aus ihrem Rythmus bringen.

Wendest du das im Training auch schon an?
Im Moment noch nicht, da ich meine Mitspieler noch nicht so gut kenne und erst mal einen guten Eindruck hinterlassen möchte. Im Training wird das natürlich auch nicht so extrem gemacht. Da wird das eher mit einem Lächeln oder Augenzwinkern gemacht. Im Spiel ist es natürlich ernst. Ich glaube, daß jemand wie Sasa damit kein Problem hat, weil er selbst so als Spieler war. Ich glaube, daß ich wegen dieser Aggressivität gut zu Sasas Spiel passe.

Die Konkurrenzsituation bei Alba ist sehr groß, es gibt mit Logan, Redding, Stojanovski, Timor, Hammonds, Fülle, Akpinar jede Menge Spieler auf deinen Positionen. Wie willst du dich gegen diese durchsetzen?
Wenn ich aufs Feld gehe, möchte ich der beste Spieler sein. Das ist nicht immer zu schaffen. Ich versuche es zu schaffen, indem ich in der Verteidigung härter als alle anderen arbeite. Mein erster Basketballtrainer hat mir damals gesagt „Defense keeps you on the court„. Wenn du gut verteidigst, hast du eine Berechtigung, auf dem court zu sein, jeder Coach braucht jemanden, der verteidigen kann. Der nächste Punkt: „You’ve got to make some shots!“ – jeder coach braucht auch jemanden auf dem Feld, der freie Würfe trifft. Und drittens: „You’ve got to make some plays„, was dieses Jahr bei Alba mit David Logan als „Konkurrenz“ besonders schwierig ist. David – und auch Reggie Redding – ist besonders gut darin, für seine Mitspieler und sich selbst zu kreieren. Da ich hart arbeite, wird es Sasa früher oder später belohnen. Mit dieser Einstellung gehe ich aufs Feld.

Wirkt sich der harte Wettbewerb jetzt schon im Training aus? Zum Beispiel im Vergleich mit Göttingen, wo die Konkurrenzsituation sicher nicht so ausgeprägt war, es nicht gegen sechs Konkurrenten auf einer Position ging. Ist da jetzt schon eine höhere Intensität im Training?
Das Niveau in der BBL, gerade bei einem Eurocup-Team und Top-Team der Liga wie Alba, ist natürlich schon im Training viel höher als in der zweiten Liga. Es ist jetzt schon sehr intensiv und wettbewerbsgeprägt im Training, weil jeder dem anderen Minuten „klauen“ will, nicht weil er es böse meint sondern selbst mehr spielen möchte. Ich glaube, das ist der Grund, warum wir bisher sehr, sehr gute Trainingseinheiten hatten. Eben weil es sehr „competitive“ zugeht, wir uns jeden Tag gegenseitig fordern, jeder Sasa zeigen will, daß er spielen möchte. Dadurch werden wir Tag für Tag besser. Wenn man z.B. weiß, daß da niemand ist, der einem Druck macht, verfällt man schnell mal in diesen „chill mode“, weil man weiß, daß man eh am Wochenende dreißig Minuten spielen wird. Es ist schön, daß es bei Alba viele junge deutsche Spieler sind, die da von unten Druck machen. Wenn so jemand ständig Druck macht, auch durch Leistung indirekt auf den Trainer, dann weiß der Starter, daß er selbst auch maximale Leistung bringen muss, auch schon im Training. Ein großer Vorteil der großen Rotation ist eben genau dieser Konkurrenzkampf, immer, zu jeder Zeit, in jedem Spiel, in jedem Training. Deshalb werden wir eine erfolgreiche Saison haben.

Auf welcher Position siehst du dich genau? Du bist shooting guard, hast auch schon Erfahrungen als point guard gesammelt, kannst du dir auch vorstellen, als small forward zu spielen?
Ich glaube, Sasa Obradovic sieht mich eher auf 2/3. Damit habe ich kein Problem. Ich denke, daß der „klassische Dreier“ im modernen Basketball an Bedeutung verliert. Es gibt meist einen point guard auf dem Feld und dazu zwei swing man und wenn man sich das Anforderungsprofil der meisten Teams auf der swing man Position ansieht, sind es meistens Spieler, die sowohl den Ball bringen können, als auch Pick’n’roll spielen können als auch Dreier catch and shoot oder aus dem dribbling schiessen können und auch noch den Korb attackieren können. Wir haben wenig Dreier in der Liga, wie z.B. in der NBA, die 2,05 m oder so groß sind und richtig back to the basket arbeiten.

Vorhin hatten wir darüber gesprochen, daß du dich über Alba informiert hast. Fans klicken ständig auf die Homepage, um zu sehen, wer die neuen Spieler sind. Wie sieht das bei dir aus? Du wusstest ja relativ zeitig, daß du bei Alba landen wirst, hast du da auch relativ häufig versucht, dich zu informieren, wer die neuen Mitspieler sein könnten bzw. versucht, dich über die neuen Mitspieler zu informieren oder hast du es einfach auf dich zukommen lassen?
Ich habe schon regelmäßig auf der Homepage von Alba geguckt, aber auch immer eine SMS vom Coach oder unserem Sportdirektor Mithat Demirel bekommen, wenn ein neuer Spieler verpflichtet wurde. Dann habe ich mich auch detaillierter über den entsprechenden Spieler informiert, seinen Werdegang, bisherige Stationen, Stats, Einschätzungen usw.

Du kennst ja fast mehr Spieler als jeder andere im Team … Leon Radosevic, Reggie Redding, Jonas Wolfarth-Bottermann …
Ja, Leon kenne ich daher, weil wir bei den U-Europameisterschaften fast immer die Kroaten in unserer Gruppe hatten, leider, da sie oft unser Weiterkommen verhindert haben. Leon und ich haben fast jeden Sommer gegeneinander gespielt. Reggie Redding kenne ich aus meiner Zeit in Tübingen, Jonas kenne ich, weil er der gleiche Jahrgang ist und wir immer zusammen in den U-Nationalmannschaften gespielt haben … Sebastian Fülle kannte ich auch schon von früher, da wir öfter in der NBBL gegeneinander gespielt haben … Sven Schultze … kennt mich nicht, aber ich natürlich ihn, eine Größe im deutschen Basketball. Ein paar Leute kennen sich schon untereinander, was den Neustart ein wenig einfacher macht.

Sind das auch die Leute, mit denen du so abhängst?
Ja, Fülle auf jeden Fall, Reggie, David, natürlich Bar, mit dem ich im gleichen Haus wohne. Bar und ich fahren meist zusammen zum Training, gehen abends auch mal gemeinsam essen. Reggie kenne ich auch länger, bei dem war ich vor zwei Jahren in Philadelphia, wo wir zusammen trainiert haben. Das sind so die Kandidaten, mit denen ich am meisten zu tun habe und am besten befreundet bin.

Urlaub hattest du schon?
Ja, wir hatten ja in Göttingen ein überraschend frühes Saisonende, weil wir gegen Jena ausgeschieden sind. Dann war ich 10 Tage in der Sonne und seit Anfang Juni trainiere ich schon wieder fleissig.

… unter anderem seit einiger Zeit mit Co-Trainer Mauricio Parra? Was habt ihr da genau gemacht, worauf speziell Wert gelegt?
Der Schwerpunkt lag genau auf den Bereichen, wo ich noch besser werden muss, wie z.B. ball handling und pick’n’roll-Situationen. Das war auch ein Grund, früher nach Berlin zu kommen; auch um Sasa zu zeigen, daß ich die kommende Saison sehr ernst nehme, mich sehr ernsthaft vorbereiten möchte und die klare message senden will, daß ich alles dafür tun werde, um zu spielen. Es war auf jeden Fall gut, dieses Extratraining mit Mauro gemacht zu haben, zu sehen, was er möchte, was die Idee hinter Sasas Offense ist, was wir als Team machen wollen und wo der Ball hin soll. Diese zwei Wochen haben mir wirklich sehr geholfen.

Gab es Mitspieler oder Trainer, die dich als Vorbilder geprägt haben?
Großer Dank gilt auf jeden Fall Ralph Junge von der Urspringschule, der es möglich gemacht hat, daß ich im Urspring-Internat überhaupt Basketball spielen konnte und diese tolle Ausbildung geniessen konnte. Großer Dank gilt ebenfalls Felix Czerny, der dann ein Jahr später der Trainer bei der NBBL war, viele Extraschichten mit mir geschoben hat, mir auch diese Arbeiter-Mentalität beigebracht hat, immer mehr als andere zu machen. Diese beiden Männer haben mich bisher am meisten geprägt. Man nimmt aber grundsätzlich von jedem Trainer etwas mit.

Du hast in diesem Sommer gar keine Nationalmannschaft gespielt, war die A2 kein Thema? Woran lag es?
Ich war eingeladen und es war auch geplant, daß ich spielen sollte, aber ich habe Frank Menz abgesagt. Wir haben uns im Februar getroffen, als er in Göttingen war und ich habe ihm erklärt, warum ich nicht spielen möchte. Es wäre schon sehr interessant gewesen, dieses Jahr nochmals bei der Universiade zu spielen, aber ich wollte mich auf die kommende Saison konzentrieren und darauf, wieder einen Schritt nach vorne zu machen, diese off season beim pick’n’roll und ball handling. Perspektivisch möchte ich mich in den nächsten zwei Jahren in eine Position bringen, in der es nicht möglich ist, an mir vorbei zu gucken, aber dafür muss ich an meinen Schwächen arbeiten und nicht den Sommer über mit der Nationalmannschaft umher reisen. Frank [Menz] hatte dafür Verständnis, er ist ein super Typ. Als ich ihn wegen Berlin angerufen habe, hat er sich über eine Stunde Zeit genommen, wir haben andere Vereine auch durchgesprochen, verschiedene Situationen durchgespielt. Er hilft einem, wo er kann. Ich fand es super, daß er dafür Verständnis hatte, auch wenn er es schade fand, daß ihm einer seiner Leistungsträger fehlte.

Was machst du privat an so Tagen wie heute, wenn kein Training ist? Wie sieht dein Tagesablauf so aus?
Ich habe heute morgen mal ausgeschlafen, war mit meiner Freundin brunchen, zum Friseur, was bitter nötig war, Mittagessen mit David, dieses wunderbare Interview mit euch und danach werde ich noch eine Freundin treffen, die aus Heidelberg stammt und jetzt in Berlin studiert. Eigentlich versuche ich an Tagen wie diesen viel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Eventuell wollen einige Spieler heute noch zusammen in die Therme gehen. Das ist wichtig fürs Team building, aber genauso wichtig ist es mal weg zu kommen vom Basketball.

Ihr geht ja dieses Jahr nicht ins Trainingscamp, ist das schwierig fürs Team building? Macht ihr da untereinander etwas zusammen oder sind Sachen von Vereinsseite geplant?
Ich denke schon, daß es etwas schwieriger als mit Trainingslager ist, da man nicht ständig die ganze Zeit mit einem Mitspieler zusammen ist, mit dem man sich das Zimmer teilt. In Berlin hat man aber den Vorteil, daß man auch nach dem Training noch etwas gemeinsam unternehmen kann. Wir waren schon ein paar mal zusammen essen, heute abend eventuell die Therme, es gibt schon Möglichkeiten, etwas gemeinsam zu unternehmen.

Heute Abend spielen Ismet Akpinar, Sebastian Fülle und David Herwig mit Alba II in der Schützenstraße gegen Eintracht Stahnsdorf…
…ja das will ich mir mal anschauen. Zumindest mal eine Halbzeit. Die Jungs haben schon meinen Respekt das sie spielen müssen. Ist natürlich ein bisschen bitter für sie, dass sie heute nicht frei haben aber ich denke Sasa war gnädig. Er hat heute früh frei gegeben und gibt den Jungs auch morgen früh noch einmal frei wenn wir uns wieder quälen müssen. Ich denke da sieht man, dass er nicht so ein übler Kerl sein kann.

Könntest du in der Regionalliga noch mit einer Doppellizenz spielen?
Ich weiß nicht was in der Liga für eine Altersregelung gilt. Mit mir hat darüber aber auch noch niemand gesprochen.

Du bist Pro A Youngster des Jahres geworden. Deine Vorgänger waren Johannes Lischka, Bastian Doreth oder Per Günther, die es alle schon mehr oder weniger in die BBL geschafft haben. Ein gutes Omen für dich?
(Vargas schmunzelt) Ich hoffe sehr, dass es ein gutes Omen ist. Ich möchte am liebsten meinen Namen vor allen anderen setzen in den nächsten Jahren aber wir werden sehen. Ich denke ich bin auf jeden Fall bei einem sehr attraktiven Verein. Wenn ich die Vereine der anderen Jungs angucke, finde ich klingt Alba Berlin doch schon richtig gut.

Dein Name „Akeem“ ist eher ungewöhnlich, wie kam es zur Namensgebung?
Akeem ist Suaheli und heißt „König“. Meine Mutter hatte früher in den USA eine Freundin und deren Bruder hieß Akeem. Sie fand den Namen toll und hat gefragt was er heißt. Und dann hat sie gesagt wenn sie jemals einen Sohn bekommen sollte, dann nennt sie ihn Akeem. So bin ich zu meinem Namen gekommen. Mein Nachname Vargas hat hingegen puertoricanische Wurzeln. Das geht von der Großmutter meines Vaters aus, die Puertoricanerin war.

Wie wichtig sind die Fans für dich?
Fans sind immer extrem wichtig, denn davon lebt ja der Sport. Es wäre sehr unattraktiv Basketball in einer leeren Halle zu spielen. Ich glaube auch das Fans die ausschlaggebende Initialzündung sein können. Ich glaube das hat jeder Basketballfan schon einmal erlebt. Es braucht nur einen Dreier oder einen Dunking zum richtigen Zeitpunkt und ein Spiel kann kippen. Das kann bei uns ein großer Vorteil werden, wenn 10.000 Leute in die Halle kommen. Wenn die uns emotional anfeuern und auch mal pöbeln, was irgendwie dazu gehört, dann kann uns das sicher das ein oder andere Mal tragen.

Wie verbringst du deine Freizeit?
Viel mit meiner Freundin. Wir gehen oft ins Kino. Wir haben außerdem die Abmachung, dass sie unter der Woche kocht. Ich bin dann am Wochenende dran aber da gehen wir eher essen. Das kann man dann auch zur Freizeitbeschäftigung dazu zählen. Derzeit gehe ich um 09:30 Uhr aus dem Haus. Komme um 13:30 Uhr vom Training. Dann habe ich ein bis zwei Stunden zum ausspannen. Bei dem Berliner Verkehr ist es ja auch nicht so einfach. Da braucht man schon gut 20 Minuten zum Training. In Göttingen war das etwas einfacher, da hat man nur 5 Minuten zur Halle gebraucht.

Wie verbringst du die zwei Stunden zwischen dem Training?
Ich döse manchmal ein bisschen um den Kopf frei zu bekommen. Dazu ein bisschen Entspannungsmusik und die Füße hochlegen. Ich esse auch noch einmal bevor ich wieder zum Training gehe damit ich genug Energie habe. Es dauert dann immerhin gut 3-4 Stunden bis ich wieder etwas essen kann. Also du musst schon sehr professionell deinen Tag durchplanen. Ansonsten muss ich aber auch irgendwann Wäsche waschen, einkaufen und meinen Teil im Haushalt machen.

Yassin Idbihi hat auf Auswärtsfahrten immer alle möglichen Zeitungen dabei gehabt. Bis du auch Zeitungsleser oder ziehst du ein Buch vor?
Ich lese eher mal ein Buch. Derzeit liegt zum Beispiel „Schändung“ von Adler Olsen auf meinem Nachttisch.

Wie pushst du dich vor einem Spiel?
Ich bin jemand der sich nicht so arg pushen muss. Ich schlafe vor einem Spieltag immer schlecht. Das liegt aber eher an der Freude auf das Spiel. Am Spieltag komme ich dann 2 ½ Stunden früher in die Halle. Mach dann meine Wurfserien, gehe verschiedene Bewegungen durch und versuche immer schon einmal vorzuschwitzen. Das brauche ich auch für mich um den Kopf frei zu kriegen und zu wissen, ich war mal wieder der erste in der Halle und bin gut vorbereitet. Dann geh ich noch einmal in die Kabine um runter zu kommen und zu entspannen, lasse mich tapen, packe kurz Eis auf meine Knie und dann kommt ja wahrscheinlich auch schon Sasas Ansprache.

Du bist einer der Jüngeren im Team, musst du spezielle Aufgaben erledigen wie die Taschen der anderen schleppen?
Taschen muss ich zum Glück nicht tragen. Darum müssen sich Fülle, Ismet und David kümmern. Aber das ist schon ein bisschen ärgerlich, dass ich einer der Jüngeren bin, weil man da manchmal in der Kabine schon sein Fett wegkriegt. Gestern war zum Beispiel so eine Situation, David Logan wollte noch etwas Wasser haben und ich war der Jüngste in der Kabine. Und dann sagte er zu mir „It is your turn“. Und Sven meinte dann auch, da hat er eigentlich Recht. Leon Radosevic war zwar auch da, ist aber 6 Tage älter als ich und hat Glück gehabt. So musste ich dann noch mal aus der Kabine im ersten Stock runter laufen, nur im Handtuch und noch mal Wasser holen. Aber das gehört halt dazu und ist gut für die Mannschaft. Es ist lustig für die anderen, für mich in dem Augenblick vielleicht nicht aber dafür gibt es andere schöne Momente. Wenn Fülle, Ismet oder David zum Beispiel Handtücher holen müssen oder die Taschen tragen. Das gehört schon ein bisschen dazu und Respekt vor Älteren sowieso. Gerade auch bei uns mit Sven, der nicht nur alt ist sondern auch viel erreicht hat als zigfacher Nationalspieler. Also das sollte man schon würdigen.

Apropos Sven Schultze, er soll beim Fitnesstest zu Saisonbeginn die besten Werte gehabt haben?
Das ist ein bisschen ein schlechtes Thema. Ich hatte natürlich vorher gefragt was im letzten Sommer das beste Ergebnis war. Das hatte natürlich Sven und die Coaches haben mir auch die Wattzahl für das Ergometer gesagt. Dann bin ich beim Fitnesstest so lange gefahren bis ich die Zahl von Sven erreicht hatte. Dann ging bei mir aber auch nichts mehr. Die Amerikaner hatten ihren Fitnesstest ein paar Tage später. Mauro Parra schrieb mir dann, dass ich noch den ersten Platz beim Test habe. Tja und dann kam Sven. Der war 10 Minuten länger auf dem Fahrrad als ich. Wie er das gemacht hat weiß ich nicht, denn ich war schon richtig platt. Also 1:0 für Sven Schultze.

Ist Sven mit dieser Einstellung auch ein Vorbild für dich im Team?
(Akeem grinst) Es ist schwer mit Sven im Team. Ich versuche immer der erste und der letzte in der Halle zu sein. Das ist schwer weil er kommt echt früh. Die ersten zwei Tage war das noch ein Problem aber dann wusste ich wann er da war und kam entsprechend früher. Für mich und mein Gefühl ist das wichtig als erster in der Halle zu sein. Ansonsten ist es natürlich schön jemanden wie Sven im Team zu haben, der so hart arbeitet und mit dem man sich immer wieder messen kann. Dazu kommt das Sven auch ein toller Leader ist. Man merkt, dass es ihm nicht so wichtig ist ob er spielt oder nicht. Die Mannschaft ist ihm wichtig. Er ist so ein Glue Guy in der Kabine. Er kommt mit den Amerikanern und mit den Jugos klar, dazu natürlich auch mit den Deutschen. Und das ist schon wichtig, das einer da ist, der mit allen gut kann.

Macht ihr zur Zeit noch Fitnesseinheiten im Training?
Wir waren schon recht fleißig und haben schon fünf Laufeinheiten hinter uns. Drei stehen noch aus. Wir laufen immer mit Pulsuhr und bekommen anhand der Fitnesstest Pulszeiten. Toplevel ist zum Beispiel 165 Puls. Du sprintest bis du den erreicht hast, dann lässt du den Puls wieder sinken auf 150 und musst wieder sprinten und den Puls auf 165 hochjagen. Das ganze Spiel geht 24 Minuten so. Ansonsten Ausdauer, kurze Sprints, lange Sprints, Sprünge. Nach dem Laufen geht es auch gleich wieder in die Halle und in den Kraftraum. Da kümmern wir uns dann um den Oberkörper aber auch wieder um die Beine. Dusko fordert uns schon sehr, das sind lange Einheiten. Er ist ein sehr guter Mann und nicht umsonst Konditionstrainer der serbischen Nationalmannschaft aber er ist eben auch ein Schleifer.

Jan Jagla hat einmal in einem Interview gesagt, dass David Logan, mit dem er bei Prokom schon zusammengespielt hat, auch nach drei Stunden Training noch nicht schwitzt. Konntest du das auch schon beobachten?
Er schwitzt weniger als andere, das stimmt schon. Man darf jetzt aber nicht den Eindruck kriegen, er chillt nur im Training. und ruht sich auf dem Erreichten aus. Er geht volles Tempo im Training und fordert mich, weil wir ja auch die gleiche Position spielen, immer wieder. Das finde ich aber gut weil ich viel von ihm lernen kann. Außerdem nimmt er sich nach dem Training die Zeit und spricht mit einem. Das sind glaube ich, alles Sachen die einen tollen Profi ausmachen.

Mir ist gerade dein Tattoo auf dem rechten Unterarm aufgefallen, was trägst du für Tatoowierungen??
Ich habe ein Tattoo auf dem linken Oberkörper, da steht „Live and Success are journeys not destinations“, einfach nur das ich weiß, dass ich hart arbeiten muss und der Weg das Ziel ist. Außerdem habe ich unten drunter noch „U1L“, dass bedeutet „Urspring one Love“ und steht stellvertretend für meine Zeit an der Urspringschule. Das haben sich relativ viele Spieler tätowieren lassen. Auf meinem rechten Unterarm steht „God believes in me“. Ich glaube an Gott und ich glaube, wenn er an mich glaubt, ist alles möglich. Ich bin zwar gläubig aber nicht im Sinne der Kirche. Ich bete aber jedes Mal wenn ich aufs Feld gehe und auch am Abend. Das ist mir schon wichtig weil ich finde, man muss auch danke sagen das es einem gut geht weil vielen Leuten geht es eben nicht gut und deshalb ist mir das wichtig…

…du bist ja schon auf der Sonnenseite des Lebens…
… absolut, Ich kann mit meinem Hobby, mit meinem Traumberuf Geld verdienen. Gutes Geld was auf jeden Fall zu viel ist. Also zu viel Geld kann man natürlich nie haben aber es ist glaube ich mehr als man zum Leben bräuchte. Ich bin gesund, ich bin top betreut. Mir wird eine Wohnung gestellt, mir wird ein Auto gestellt. Das sind Sachen die andere Menschen viel Geld kostet. Ich kann die Welt sehen, bei Alba wahrscheinlich mehr als bei anderen Teams. Das ist auf jeden Fall was ganz besonderes. Das ist ein tolles Erlebnis und eine tolle Chance die ich bekommen habe.

Vielen Dank, daß du dir Zeit für uns genommen hast und uns Einblicke in dein Leben gewährt hast.

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4 Gedanken zu „Me and my Kiez – Unterwegs mit Akeem “König” Vargas, pt II

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